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Ein Tag in Wien
von Ines Käflein
"Zum Dessert sollte man allerdings wieder ins 19. Jahrhundert zurückkehren und in einem der Wiener Kaffeehäuser eine heiße Melange mit Schlagobers (Schlagsahne) und ein Stück Sachertorte genießen."

Shanghai - Globalisierung im Reich der Mitte
von Fredy P. Weber
"Zählt man die internationalen Restaurants (vornehmlich im neuen Pudong zu finden) noch hinzu, ist fast die halbe kulinarische weltweite Vielfalt in Shanghai zu finden. Und das ist nicht übertrieben."

Pilgertum und Wallfahrt in Indien
von Stefan Peichl
"Das indische Wort für Wallfahrt ist der aus dem Sanskrit stammende Begriff tirtha yatra. Tirtha bedeutet wörtlich „Furt“, also eine flache Stelle in einem Fluss; yatra ist der Weg."

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Zwei Tage in Budapest

von Ines Käflein


   Budapest, Sonntag, 29. August 2010, 17°C - Gegen Spätnachmittag verließen wir das Land der Sachertorte und drangen, vom 19. Jahrhundert her kommend, durch die Pannonische Tiefebene langsam in das einstige Reich des Stammesfürsten Árpád (845 – 907 n.Chr.) vor. Was zu dieser Zeit noch zwei kleine Dörfer gewesen, tat sich schon bald vor uns am Horizont als riesige, in die Breite ziehende Fläche am Horizont auf. Und ehe wir uns versahen überquerten wir auch schon eine der Buda und Pest verbindenden Brücken.

Millenniumsdenkmal auf dem Heldenplatz Hősök tere, 1896. Foto: Ines Käflein
Icon Bild vergrößern  Millenniumsdenkmal auf dem Heldenplatz Hősök tere, 1896. Foto: Ines Käflein

Montagmorgen machten wir uns sogleich an eine erste Stadteroberung. Da Árpads Spuren längst verwischt sind, näherten wir uns Ungarns Geschichte erneut durch das 19. Jahrhundert, genauer gesagt durch das Jahr 1896, an. In diesem Jahr wurde dem Millennium der magyarischen Landnahme zu Ehren eine groß angelegte Landesausstellung (2. Mai - 31. Oktober 1896) im Budapester Stadtwäldchen Városliget veranstaltet. Anlässlich dieses Events wurden mehrere Bauprojekte verwirklicht, die noch heute das Stadtbild Budapests maßgeblich prägen. Eines der letzten Überbleibsel der Millenniumsausstellung bildet die Burg Vajdahunyad und die als erste U-Bahn in Kontinentaleuropa gebaute Millenniumi Földalatti Vasút, die das Ausstellungsgelände unter dem zum gleichen Anlass erichteten Boulevard Andrássy út erschloss.

Thermalbad Szécheny fürdő - Außenanlage. Foto: Ines Käflein
Icon Bild vergrößern  Thermalbad Szécheny fürdő - Außenanlage. Foto: Ines Käflein

Nachdem es allerdings bei schlechtem Wetter nur halb so viel Spaß macht, das Stadtwäldchen ausgiebig zu erkundschaften, bot sich uns ein Badetag im Thermalbad-„Palast“ Link öffnet in neues Fenster Szécheny fürdő an, der sich direkt um die Ecke des ehemaligen Ausstellungsareals befindet. Mit einer Tageskarte für umgerechnet 11,30EUR (3100HUF) kann man sich hier in insgesamt zwölf Thermalschwimmbecken im Innen- und drei größeren Becken (mit 75°C befinden sich hier die heißesten Thermalquellen Budapests) im Außenbereich sowie mehreren Saunen, Dampfbädern und Heißräumen aufs Angenehmste entspannen. Die bereits zur Zeit des römischen Aquincum im zweiten Jahrhundert genutzten und von den Türken durch die Hamam-Badekultur wieder belebten Therme erfreuten sich ganz besonders Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts großer Beliebtheit in der Bevölkerung. Ein sehr interessantes Hamam-Bad ist das Link öffnet in neues Fenster Rudas fürdő.

Eingelegtes Kraut und >Umorge< in Budafok. Foto: Ines Käflein
Icon Bild vergrößern  Eingelegtes Kraut und >Umorge< in Budafok. Foto: Ines Käflein
Marktplatz in Budafok. Foto: Ines Käflein
Icon Bild vergrößern  Marktplatz in Budafok. Foto: Ines Käflein

Gut erholt und porentief gereinigt ließen wir den Abend bei hausgemachtem Gulasch und einem anschließenden Gläschen Unicum Kräuterlikör ausklingen, um gut erholt in den nächsten Tag starten zu können. Am nächsten Morgen suchten wir zuallererst den Markt in Terézváros auf. Auch wenn die Auswahl hier gegenüber dem Großen Markt im Zentrum etwas beschränkter ist, so zeichnet sich der weitgehend von der lokalen Bevölkerung genutzte Markt durch Ursprünglichkeit im qualitativen Sinne und vor allem vertretbare Preise aus.

Hier sollte man auf keinen Fall auf Fassgurken und anderes Eingelegtes sowie auf einen Lángos verzichten. Was einem vielleicht als üppiges Frühstück erscheinen mag, erweist sich als dankbare Energiequelle, wenn man die Wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Pest (östlich der Donau) an einem Tag entdecken möchte. Hierfür beginnt man am besten mit dem an der Kyrali út gelegenen Jüdischen Viertel.

Kunstgewerbemuseum (1891-1896). Foto: Ines Käflein
Icon Bild vergrößern  Kunstgewerbemuseum (1891-1896). Foto: Ines Käflein

Am Rande des sich derzeit vom Abbruch bedrohten Viertels befinden sich die Orthodoxe, die Rumbach und die Link öffnet in neues Fenster Große Synagoge. Als größte Synagoge Europas und nach New York die zweitgrößte der Welt, beherbergt die Große Synagoge ein Jüdisches Museum und ein beeindruckendes Holocaust-Denkmal. Folgt man von hier aus dem Múzeum krt in Richtung Donau gelangt man zum Ungarischen Nationalmuseum und noch ein Stück weiter südlich zur Zentralen Markthalle (1894-96) am Rákóczi tér, die direkt an der Freiheitsbrücke (1896) gelegen ist. Bevor man jedoch bis zur Markhalle vordringt - es sei denn, der Hunger drängt - lohnt es sich in jedem Fall am Kálvin tér in die Üllői út einzubiegen und einen Abstecher zum Museum für angewandte Kunst (1891-1896) zu machen. Dieses wurde als Denkmal ungarischer Kulturleistung konzipiert und bildete den Höhepunkt der ungarischen Millenniumsfeiern von 1896. Das Kunstgewerbemuseum sollte nicht nur dem Zweck dienen, regelmäßig Kunsthandwerk auszustellen, sondern durch Lehrgänge für Designer, Handwerker, Hersteller und Kaufleute das ungarische Kunstgewerbe fördern.

Kunstgewerbemuseum (1891-1896). Foto: Ines Käflein
Icon Bild vergrößern  Kunstgewerbemuseum (1891-1896). Foto: Ines Käflein

Zusammen mit dem Geologischen Institut (1899) und der Postsparkasse (1899-1902) bildet es eines der drei Hauptwerke ÖDÖN LECHNERS (1845-1914) Architektur, die als stellvertretend für einen national motivierten Ungarischen Jugendstil stehen. Das Kunstgewerbemuseum fällt vordergründig durch sein schillerndes, vielfarbiges Dach auf, das mit Keramikziegeln in unterschiedlichen Grün- und Gelbtönen besetzt ist. Das Innere des Museums weist einen orientalisch-gotischen Stil mit Kehlbögen und Kreuzrippengewölben auf. Durch das strahlende Weiß der Wände erinnert die Architektur an indische Durbar-Höfe. Inspiriert durch die indischer Kolonialarchitektur sowie die Vermischung von traditionellen Volksmotiven mit persischen und islamischen Motiven, wirkt das in seiner Grundform noch dem Historismus verpflichtete Museum wie ein Hybrid aus östlicher und westlicher Welt.

Zurück zum Kálvin tér und weiter südlich dem Múzeum krt folgend, stößt man direkt auf die Markthalle. Auch dieses Gebäude zeichnet sich durch die auffälligen, vielfarbigen Dachziegel aus Keramik aus, die besonders in der Abendsonne ihre funkelende Pracht offenbaren. Es handelte sich hierbei um ein Produkt der Firma Zsolnay. Die Keramiken aus dem südwestungarischen Pécs, deren Produktion von Geschirr, Lampen, Öfen bis hin zu Bauziegeln reichte, trugen im Bereich des Kunsthandwerks maßgeblich zu einer, nicht nur nationalen, sondern auch internationalen Verbreitung des „magyarischen Stils“ bei.

Am Rákóczi tér , zwischen Markthalle und Brücke, pulsiert geradezu das Leben in Budapest. Bewohner und Touristen schieben sich vereint durch die Markthalle, über die Brücke und hinein in das gegenüberliegende Einkaufsviertel entlang der Váci út. Wem dies zu viel Getümmel auf einmal ist, bewegt sich am besten entlang des Flussufers fort und entspannt seine Sinne bei einem Blick über die mächtige Donau.

Buda & Pest. Donau vom linken Flussufer mit Blick auf Széchenyi-Kettenbrücke (1839 bis 1849). Foto: I. Käflein
Icon Bild vergrößern  Buda & Pest. Donau vom linken Flussufer mit Blick auf Széchenyi-Kettenbrücke (1839 bis 1849). Foto: I. Käflein

Spaziert man von der Freiheitsbrücke aus nördlich am Donauufer entlang, gelangt man zunächst zur Elisabethbrücke (1898 – 1903), hinter der sich die Ruinen der römischen Festung Contra Aquincum  (um 106 n. Chr. errichtet) auftun. Direkt danebengelegen befindet sich eine eher unscheinbare Pfarrkirche zu Füßen der Brückenstahlträger. Die ehemals romanische Kirche (11. Jh.) wurde zunächst in der Gotik (14. Jh.) und dann während des Barock (18. Jh.) umgebaut und birgt heute durch die stilistisch gänzlich unterschiedlichen Elemente (auch ein türkischer Einfluss ist hier auszumachen) ein höchst interessantes Inneres. Begibt man sich von hier aus wieder in die Stadt hinein, befindet man sich inmitten der Haupteinkaufsstraße, wo es unscheinbar zwischen den Geschäftshäusern ein weiteres, von LECHNER erbautes Gebäude zu entdecken gibt. Das sogenannte Thonet-Haus (1888/89), einem Wohn- und Geschäftshaus, ist mit einem reliefartigen Netzmuster auf einem Untergrund aus blauen Keramikziegeln überzogen und weist einen prächtigen neogotischen Stil auf.

Thonet-Haus (1888/89). Foto: Ines Käflein
Icon Bild vergrößern  Thonet-Haus (1888/89). Foto: Ines Käflein

Um sich für den letzten Rest der Stadtwanderung zu stärken, sollte man sich hier eine gute Tasse Kaffee zu einem ordentlichen Stück Krémes (ungarische Cremtorte) nicht entgehen lassen. Von hier aus wieder etwas weiter nördlich über die Bajcsy-Zsilinszky út in die Stadt vordringend, führt der Weg vorbei an der erhabenen neoklassischen St. Stephans Basilika (1905), dem zuvor erwähnten Gebäude der Königlichen Postsparkasse und dahinter über das Denkmal der sowjetischen Soldaten (1947 errichtet) auf dem Szabadság tér direkt zum Parlamentsgebäude. Dieser riesige, mit 268 Metern eines der längsten, Gebäude der Welt, wurde nach den Plänen des ungarischen Architekten IMRE STEINDL (1839-1902) im neogotischen Stil während den Jahren 1885 bis 1904 errichtet.

Parlamentsgebäude (1885 – 1904). Foto: Ines Käflein
Icon Bild vergrößern  Parlamentsgebäude (1885 – 1904). Foto: Ines Käflein

Nach diesem, doch sehr ausgedehnten Rundgang durch den Stadtkern der Pester Seite, hat man sich wahrlich eine Erholung verdient. Wer nicht in den Genuss kommen kann, bei einer ungarischen Familie zu Gast zu sein - auf welche Weise wir während unseres Aufentahlts zu hausgemachten töltoltkáposzta (Kohlrouladen) in Verbindung mit eigens hergestelltem Wein und pálinka (Schnaps) kamen - kann sich in einem der unzähligen Restaurants in Budapest den Gaumen verwöhnen lassen. Über ungarische, slawische, jüdische, pakistanische bis hin zu mongolischer Kost und Sushi wird hier alles geboten. Als besonders empfehlenswert erwies sich hier die Link öffnet in neues Fenster Menza  am Liszt Ferenc tér, wo entgegen aller Erwartungen nicht Studentenessen aus einem großen Topf, sondern modern aufbereitete ungarische Klassiker in einer gemütlichen loungeartigen Atmosphäre serviert werden. Spätestens hier fanden wir uns nach unserer zweiten Zeitreise durch das 19. Jahrhundert auch hier wieder im 21. Jahrhundert wieder, wobei der 1970er-Jahre Retrostil des Restaurants das Ankommen im Jetzt noch etwas verzögerte. Etwas traurig aber zufrieden und inspiriert ließen wir hier unsere Reise bei Gänseleber, Lachssteak, mehr Lángos und reichlich Wein ausklingen.


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© 2011 Reisebasar.de/ Text & Fotos: Ines Käflein

Ines Käflein ist studierte Kunsthistorikerin und lebt und arbeitet zur Zeit in Heidelberg. Sie schreibt Berichte für Reisebasar.de sowie das Link öffnet in neues Fenster Réseau Art Nouveau Network in Brüssel, womit sie zwei Hauptinteressen verbindet: Reisen und die Kunst und Architektur um 1900.


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