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Ein Tag in Wien
von Ines Käflein
"Zum Dessert sollte man allerdings wieder ins 19. Jahrhundert zurückkehren und in einem der Wiener Kaffeehäuser eine heiße Melange mit Schlagobers (Schlagsahne) und ein Stück Sachertorte genießen."

Shanghai - Globalisierung im Reich der Mitte
von Fredy P. Weber
"Zählt man die internationalen Restaurants (vornehmlich im neuen Pudong zu finden) noch hinzu, ist fast die halbe kulinarische weltweite Vielfalt in Shanghai zu finden. Und das ist nicht übertrieben."

Pilgertum und Wallfahrt in Indien
von Stefan Peichl
"Das indische Wort für Wallfahrt ist der aus dem Sanskrit stammende Begriff tirtha yatra. Tirtha bedeutet wörtlich „Furt“, also eine flache Stelle in einem Fluss; yatra ist der Weg."

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Portugal - Abenteuer Algarve

von Andrea Storr, M.A.

    Die Algarve hat etwas unnahbar Geheimnisvolles. Trotz ihrer schönen Küste und stetig wachsender Anzahl exklusiver Ferienorte, bleibt dies eine trockene, vom Wind gepeitschte und von den harschen Einflüssen des Atlantiks geprägte Region. Die Menschen sind tief in ihrer Vergangenheit als seefahrende Nation verwurzelt, und gestalten ihr Leben gemäß alter Traditionen. Dort wo sie leben ist die Natur größtenteils noch unberührt, die Strände leer und die unzähligen Buchten von ungezähmter Schönheit. Hier liegt der eigentliche Charakter und Zauber der Algarve. Und vorausgesetzt man reist außerhalb der Hochsaison – am besten im Frühjahr, wenn die Farben und Düfte die Sinne berauschen – dann wird man ihn auch finden.

Hafen Lagos
Icon Bild vergrößern  Hafen Lagos

Besonders der Südwesten der Region ist von einer außergewöhnlich historischen, geographischen und kulturellen Mannigfaltigkeit. Die Stadt Lagos, ca. 70 km westlich von Faro an der Südküste, dient als interessanter Ausgangsort. Es ist eines der historischsten Städte der Algarve, die Altstadt umgeben von aus Sandstein errichteten Mauern des 14. Jahrhunderts. Von diesem Hafen, damals bekannt als das 'Fenster zur Welt', segelten viele der großen portugiesischen Abenteurer gen Neue Welt. Weniger beeindruckend ist, dass die Stadt, in ihrer Funktion als Basis für den neuen afrikanischen Handel, im Jahre 1444 den ersten Sklavenmarkt Europas eröffnete. Die ursprünglichen Arkaden stehen noch immer neben dem alten Zollhaus am Praça da República.

    Lässt man Lagos hinter sich, und fährt entlang der Küste Richtung Westen, bemerkt man schon bald wie die geschwungene Landschaft deutlich weniger vom allgemeinen Fortschritt betroffen ist. Diese Strecke, und die der gesamten Westküste der Algarve, stehen unter Schutz des Parque Natural do Sudouste Alentejano e Costa Vicentina. Vereinzelt stehen Häuser sowie vom Wetter gezeichnete Höfe, die auf das angewiesen sind, was sie auf ihrem kleinen Stückchen Land für sich erwirtschaften können. Schon in der frühen Jahreszeit verliert die struppige Vegetation ihr sattes Grün, und unter einem milchig-blauen Himmel macht sich vermehrt die orange-rote Erde sichtbar. Biegt man nach einer Weile links ab, so erreicht man das kleine Fischerdorf Burgau.

Klippenlandschaft Carrapateira
Icon Bild vergrößern  Klippenlandschaft Carrapateira

Eine von Jahrzehnten geprägte, kopfsteingepflasterte Straße führt direkt durch das Dorf, und man kann gar nicht anders, als einen diskreten Blick hinein in das kühle Dunkel, urig-erdige Innere der weiß- getünchten Häuser und kleinen, kuriosen Geschäfte zu werfen. Auch kann man hier wunderbar essen. Hoch auf den Klippen, mit Blick auf das aufgewühlte Meer, welches sich mit donnernder Brandung am weiten, weißen Strand entlädt, befindet sich das Restaurant A Barraca. Die regions-typischen cataplanas (der Name des besonderen, aus Kupfer hergestellten Kochtopfes) mit direkt - vom - Hafen - frischen Meeresfrüchten allein sind diese Reise wert.

Ende der Welt

    Fährt man dann weiter die Küstenstraße entlang, so nähert man sich langsam aber sicher dem 'Ende der Welt'. Zumindest glaubten das die Alten Römer, als sie täglich voller Staunen zusahen, wie die Sonne hinter Cabo de São Vicente zischend im Meer versank. Das Kap und der dazugehörende Ort Sagres, formen den Zipfel Portugals, an dem die südlichen Ufer auf denen des wilderen Westens treffen. Hier soll sich Prinz Heinrich der Seefahrer im Jahre 1420 seine Navigationsschule errichtet haben, um zusammen mit führenden Astronomen, Kartographen und Abenteurern seiner Zeit die Kunst der Schifffahrt neu zu erschaffen. Somit stachen die ersten, hochseetüchtigen Karavellen in See – stolze Boote mit weitem Rumpf und kleinen, verstellbaren Segeln, die sich mit voller Wucht gegen den Wind legen konnten.
Sagres selbst macht im ersten Moment einen leicht verschlafenen Eindruck. Doch schon bald wird deutlich, dass das zum einen an der Gelassenheit der Einwohner liegt, die sich durch das allgemein hektische, westeuropäische Zeitgefühl nicht aus ihrer freundlichen Ruhe bringen lassen, und zum anderen daran, dass sich das Leben hier tagsüber hauptsächlich an einem der fünf Strände abspielt, die man vom Ort bequem zu Fuß erreichen kann. Praia da Mareta, inmitten zwei steiler Felsenwände, die sich hinaus ins Meer erstrecken, ist die geschützteste Badebucht. Von hier hat man einen schönen Blick auf die im 16. Jahrhundert errichtete Festung Fortaleza de Sagres. Gezeichnet vom rauen Klima des Atlantiks, und der Verwüstung durch ein Erdbeben Anno 1755, steht sie renoviert aber verlassen, und von einer geheimnisvollen Aura umgeben hoch auf dem 1000m langen, 300m breiten Felsen Ponta de Sagres.

Die verwehte Landschaft nördlich von Sagres entlang der Westküste, wird dann immer beeindruckender. Plötzlich ist sie üppig und tiefgrün, mit knorrigen Büschen und flachen, schräg wachsenden Nadelbäumen, die an Afrika erinnern. Unterwegs überholt man des öfteren einen Eselswagen, gelenkt von rüstigen Männern in hohem Alter, die mit ihren sonnengegerbten, friedlichen Gesichtern einen Ausdruck tiefster Zufriedenheit ausstrahlen. Hat man das Glück mit ihnen ins Gespräch zu kommen, wird einem bewusst, dass sie mit den Methoden der modernen Landwirtschaft nicht mithalten können, es aber auch gar nicht wollen. Die fruchtbare Erde ihrer bescheidenen Felder wird lieber mit dem Eselspflug bearbeitet, wie schon ihre Vorfahren es taten.

Einsame, ewige Strände... Carrapateira
Icon Bild vergrößern  Einsame, ewige Strände... Carrapateira

Erreicht man dann den kleinen Ort Carrapateira, fühlt man sich anfangs etwas fehl am Platze, denn das Leben der Einheimischen läuft trotz stetiger Anzahl Touristen seine gewohnten Bahnen. Außer ein paar neugierigen Blicken wird einem wenig Beachtung geschenkt, dafür aber unbekümmert signalisiert, dass man die hiesigen Dinge so zu nehmen hat wie sie eben sind – inklusive der rot-staubigen Straßen, streunenden Hunde, lauten Musik aus der Bar und langen Wartezeiten im einzigen Lebensmittelladen. Der örtliche Strand, Praia da Bordeira, ist jedoch schon Grund genug hier ein wenig zu verweilen. Ein sich weit ausdehnender weißer Strand, erstreckt sich idyllisch über Sandbänke hinweg bis zu einer Flussmündung. Bei starker Brandung lockt es die Surfer in die Wellen, aber außer einem vereinzelten Fischer, der vom Felsen aus seine Leine wirft, ist hier zur frühen Jahreszeit kaum jemand zu sehen.
Die hohe, breit durchfurchte und unregelmäßig zur See herausragende Klippenlandschaft lädt zu einem abenteuerlichen Spaziergang ein. Während es auf der einen Seite schwindelerregend steil, durch Schluchten und Felsbrocken hinab in die wogende Tiefe geht, dehnt sich auf der anderen Seite eine sanfte, von Wildblumen übersäte, Dünenlandschaft aus. Das intensive Rotbraun der Felsen, das tiefe Blau des Meeres und die leuchtende Blütenpracht, hinterlassen einen überwältigenden Eindruck. Es gibt weder Absperrungen noch Hinweisschilder, die auf eventuelle Absturzgefahren aufmerksam machen, und mit großem Respekt bewegt man sich inmitten solch ausdrucksstarker Natur.

Die berühmten Korkeichen, Monchique
Icon Bild vergrößern  Die berühmten Korkeichen, Monchique

Al-Gharb oder 'Land im Westen'

    Im Vergleich zu Carrapateira bietet das nördlicher gelegene Dorf Aljezur ein wenig mehr Abwechslung. Schon allein der exotische Name hat einen faszinierenden Klang. Bis hierher sind die Mauren – ein tolerantes Volk, denen ein zivilisierender Einfluss auf Portugal nachgesagt wird – im 8. Jahrhundert vorgedrungen. Al-Gharb oder 'Land im Westen' haben sie die Provinz genannt, in der sie sich besonders zahlreich niedergelassen haben. Nicht nur die Namen sind geblieben. Hinter der Altstadt, auf einem Hügel mit Blick hinunter ins Tal, befinden sich die Ruinen einer von den Christen im Jahre 1246 zurückeroberten Maurischen Burg. Der Anblick ihrer verblassten Herrlichkeit lädt zum Nachdenken ein. Es sind nicht nur die dunklen Gesichter der einheimischen Bevölkerung, die daran erinnern wie vielseitig die Kultur des Südens von der Hinterlassenschaft der Mauren geprägt ist.
Von hier führt eine kaum befahrene, schmale Straße durch das ruhige Hinterland der westlichen Algarve, bis hin zu den dicht bewaldeten Hügeln der Serra de Monchique. Mit fast 900m ist Foía der höchste Gipfel der Hügelkette, leider aber ist er verunschönt durch eine Reihe futuristisch-gräulicher Antennen einer Radarstation. Der mit 770m zweithöchste Gipfel Picota hingegen ist die eineinhalbstündige Wanderung in die Höhe wert. Der Duft dicht behangener Orangen- und Zitronenbäume mischt sich mit dem intensiven Aroma der Blätter schlanker Eukalyptusbäume. Immer wieder kommt man an knorrigen Korkeichen vorbei, die mit ihren verschnörkelten Ästen an eine Märchenwelt erinnern. Allerdings spielen diese Bäume für die Portugiesen eine weit bedeutendere Rolle, denn sie sind der weltweit größte Produzent von Kork. Über 50% aller Weinkorken kommen aus Portugal, und die Gegend um Monchique bietet den Korkeichen einen besonders günstigen Lebensraum.
Oben angekommen öffnet sich bei schönem Wetter eine atemberaubende, weitläufige Aussicht bis hin an die Küste. In der Ferne erkennt man einen weißen Streifen und die winzigen Dächer der Stadt Lagos. Die Reise nähert sich dem Ende. Doch man nimmt sie mit, die Schönheit dieser südwestlichen Ecke der Algarve, denn die gesammelten Eindrücke haben sich durch alle Sinne hindurch so eingeprägt, dass sie weiterhin lebendig bleiben. Dem Zauber der Algarve ist man verfallen, aber ihr Geheimnis lässt sich nicht lüften.

© 2007 Reisebasar.de/ Text & Fotos: Andrea Storr

Andrea Storr, M.A. ist freie Journalistin für den deutschen und englischen Zeitschriftenmarkt, angehende Schriftstellerin und leidenschaftliche Reisende. Sie lebt in London und Hamburg und schreibt diese Berichte exklusiv für Reisebasar.de.


Weitere Berichte von Andrea Storr, M.A.:




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