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Ein Tag in Wien
von Ines Käflein
"Zum Dessert sollte man allerdings wieder ins 19. Jahrhundert zurückkehren und in einem der Wiener Kaffeehäuser eine heiße Melange mit Schlagobers (Schlagsahne) und ein Stück Sachertorte genießen."
Shanghai - Globalisierung im Reich der Mitte
von Fredy P. Weber
"Zählt man die internationalen Restaurants (vornehmlich im neuen Pudong zu finden) noch hinzu, ist fast die halbe kulinarische weltweite Vielfalt in Shanghai zu finden. Und das ist nicht übertrieben."
Pilgertum und Wallfahrt in Indien
von Stefan Peichl
"Das indische Wort für Wallfahrt ist der aus dem Sanskrit stammende Begriff tirtha yatra. Tirtha bedeutet wörtlich „Furt“, also eine flache Stelle in einem Fluss; yatra ist der Weg."
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Irlands Garten: Wandern auf dem Wicklow Way
von Reimar Hein
Wer in Dublins Süden, im Marlay Park, spazieren geht, dem geschieht es leicht, dass er auf den Wicklow Way gerät, und wenn die Beine dann lustig sind, beginnt eine Wanderung durch die Wicklow Mountains – durch Irlands Garten.
Von Dublin bis Aughavannagh 54 Kilometer weiter südlich erstreckt sich das kleine Gebirge. Die Gletscher der Eiszeit schliffen es zu einem gemütlichen Ensemble von rollenden Hügeln und gerundeten Bergen. Nur in die Ostflanke, die zum Meer hin abfällt, schürften sie tiefe Täler und steile Hänge. Unzählige Wasserläufe schießen von den Gipfeln herab, deren höchste mit 926m der Lugnaquilla und mit 847m der Mullaghclee sind. Die Bäche stürzen als Wasserfälle über die jähen Kanten und speisen Flüsse, die sich zu spiegelnden Seen sammeln, ehe sie weiter strömen zum Meer.
 See Glendalough, Foto: Footfalls Walking Holidays
Hinab in die Klüfte und hinauf über die Rücken dieser östlichen Seite klettert der Wicklow Way. Der willige Wanderer benötigt eine gute Woche für die 132 Kilometer von Marlay Park bis Clonegal. Unterwegs durchquert er Weideland, raue Hochmoore und, eine Seltenheit auf der Grünen Insel, Wälder. Wer im Morgengrauen auf einer ländlichen Steinbrücke sitzt und, während er zusieht wie die Sonnenstrahlen den Nebel über den Höhen heben, einer Schafsherde begegnet, der weiß, wo er ist, und wie weit weg die alltäglichen Verpflichtungen sind. Man schaltet das Handy aus und schaut den Raben bei ihren Lufttänzen zu, ehe man weiterzieht wieder in den Schatten der Fichtenwälder hinein. Der Wicklow Way wandert durch eine Landschaft, deren sanfte Wechsel den Menschen anregen und deren Schönheit ihn zugleich beruhigt.
Von den Spazierwegen, die durch die gepflegten Wäldchen und Rasenflächen von Marlay Park führen, wandelt sich die Strecke in eine unbefestigte Landstraße hinauf in die Dublin Hills. Vorbei am 536m hohen Kilmashogue, der Feenburg, geht es über den Fluss Glencullen und den Prince William’s Seat (555m). Nach dem Abstieg trifft man auf die Strasse nach Enniskerry, wo, wer von den ersten zwanzig Kilometern erschöpft ist, gut auf Bier und Bett einkehren kann.
 Wicklow Way, Foto: Footfalls Walking Holidays
Der Pfad aber steigt hinauf über den Knockree Hill, taucht hinab in das Tal des Glencree und schleicht dann langsam und stetig die bewaldeten Hänge hinauf bis den Wanderer der Blick auf und über den Powerscourt Wasserfall gefangen nimmt. Das Wasser stürzt 106m hinab ins Tal, so tief wie nirgends sonst in Irland. Wenige Kilometer entfernt liegt mit den Powerscourt Gardens einer der schönsten Schlossparks Europas, dessen gezähmte Natur im dramatischen Gegensatz zum rauen Quarzitkegel des Great Sugar Loaf steht. In diesem Landstrich drehte John Boorman mit „Excalibur“ seine Version der Artus Sage.
Der Wicklow Way windet sich weiter gen Süden. Er tritt in offenes Land hinaus, Moore und Weiden, und schrumpft dabei zu einem Trampelpfad, dem man allerdings dank der Beschilderung problemlos folgen kann. An Wochenenden wird man auf der gesamten Strecke irischen Ausflüglern begegnen, bei denen man sich Rat holen kann, falls man doch einmal nicht weiter weiß. Sie werden dem Fremden dann die Richtung über den Fluss Dargle weisen, den Djouce Mountain hinauf, gegen den 1946 ein Flugzeug prallte, und durch die Ballinastoe Wälder. Dann öffnet sich das Land wieder und man blickt über die Täler von Lough Tay und Luggala. Nach einer weiteren Wegstunde durch das Waldland bei Ballinrush, hat man gut vierzig Kilometer hinter sich gebracht und darf sich getrost für eine weitere Nacht in die leider recht kostspielige Gastfreundschaft der nahen irischen Dörfer zurückziehen, ehe man sich am nächsten Tag aufmacht, das Herz der Wicklow Mountains zu entdecken.
 Lough Tay, Foto: Footfalls Walking Holidays
Die vier großen Täler von Avonmore, Glenmacnass, Glendasan und Glendalough berühren sich bei Laragh. Sofern man nicht in Laragh übernachtet hat, kommt man an diesem Morgen über die Schulter des Paddock Hill, lässt den Ort beiseite liegen und durchschreitet den Brockagh Forest, um sich dann zu dieser Wanderung zu beglückwünschen. Denn wer Glendalough, das Tal der zwei Seen, vor sich liegen sieht, der vergisst alle Mühsal des Bergwanderns und will nur noch in der idyllischen Pracht der halb wilden Parkanlage ausruhen und sodann die Ruinen der alten Klosterstadt erkunden.
„Glendalough voller Herrlichkeiten ist das Rom des Westens“ so sprach man im Frühmittelalter über die ehrwürdige Stätte, die sich von der Einsiedelei, in die sich der Heilige Kevin im 6. Jahrhundert zurückgezogen hatte, zu einer der größten, geistlichen Siedlungen Irlands entwickelte. Ausgerechnet im abgeschiedenen Herzland des Gebirges entstand so etwas wie eine Universität des irischen Christentums, wo mehr als dreitausend Menschen lebten und arbeiteten. Tausend Jahre durchsetzten das Tal mit Ruinen und Neubauten bis 1539 der englische König Heinrich VIII allen irischen Klöstern ein Ende machte. Fast fünfhundert Jahre lang holte die Natur seitdem ihren Teil zurück.
 Wandergruppe, Foto: Footfalls Walking Holidays
Heute befindet sich am Unteren See das Besucherzentrum des Wicklow Mountains Nationalpark. Von dort aus führen verschiedene Rundwege durch die knorrigen Eichenwälder an den Hängen hin zu den Wiesen am Oberen See. Im ruhigen Wasser des flachen Sees spiegeln sich das Blau des Himmels und das Grün und Dunkel der umgebenden Bergwälder, der rötliche Grund schimmert hindurch und gewinnt mit Vergehen des Tages, wenn das Abendrot ihm zu Hilfe eilt, für einige glühende Augenblicke die Oberhand ehe alles im Silber und Schwarz der Nacht versinkt. Poesie und Magie der feenreichen, grünen Insel berühren den Wanderer hier mit entschlossener Hand, wenn er Glück und Geschick genug besitzt, sich abseits der Besucherströme zu bewegen.
Wer es schafft, Abschied zu nehmen von dem schönen Tal der zwei Seen, wandert weiter auf dem Wicklow Way. In den folgenden drei oder vier Tagen führt ihn dieser über Berg und Tal hinauf auf den Gipfel des Lugnaquilla, des höchsten Berges der Kette. Dann hinab in den hügeligen Südwesten, von wo der Blick endlich wieder über Farmland geht und das bunte Spalier der Heckenblumen, die den Weg die letzten beiden Tage säumen, den Wanderer empfangen, als wollten sie ihm für seine Leistung bejubeln – 132 Kilometer durch Irlands Garten, die Wicklow Mountains.
Info: Weitere Informationen über Wanderwege, Walking Tours und Unterkünfte finden Sie unter www.walkinghikingireland.com und www.visitwicklow.ie
© Reisebasar.de / Text: Reimar Hein / Fotos: Footfalls Walking Holidays
Reimar Hein studiert u.a. Ethnologie an der Ruprecht - Karls - Universität zu Heidelberg und schreibt diese Berichte exklusiv für Reisebasar.de
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