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Indonesien - Einheit in Vielfaltvon Sandra Bader, M.A.Das Leitmotiv Bhinneka Tunggal Ika ("Einheit in Vielfalt") ziert das Wappen des größten Inselarchipels der Welt – Indonesien. In diesem von ca. 230 Mio. Menschen bevölkerten Inselstaat leben etwa 300 verschiedene Ethnien. Es werden mehr als 350 verschiedene Sprachen und unzählige Dialekte gesprochen, und an unterschiedliche Götter und Geister geglaubt. In Java und Bali wird man von in Gold geschmückten Tänzerinnen entzückt, die durch ihre vollkommenen Bewegungen zu den Klängen des Gamelan-Orchesters wie kleine Göttinnen das Publikum verzaubern; in Sulawesi begegnet man den „Menschen des Meeres“, den Orang Bajau, die einst als Wassernomaden das Meer durchstreiften und heute in auf Pfählen gebauten Häusern über dem Wasser leben; bei einem Spaziergang durch die geschäftigen Straßen Balis muss man acht geben, nicht auf Opfergaben zu treten, die jeder Haushalt und jedes Geschäft drei mal am Tag vor seinem Gebäude positioniert, um Götter und Geister zu begünstigen; in Kalimantan kann man die bis zu 180 m langen, in Pfahlbauweise errichtete Langhäuser der einst als Kopfjäger berüchtigten Dayak bewundern, in denen bis zu 300 Angehörige Platz finden; und in fast allen Teilen Indonesiens wird das ein oder andere unbewanderte Ohr aufgrund der morgendlichen, durch schallende Lautsprecher der Moscheen verkündeten Gebetsgesänge, aus dem Schlaf gerissen. All dies, um nur einen kleinen Teil zu nennen, vereint sich in dem größten Inselarchipel der Erde. Das Land der Götter und GeisterTrotz dieser Vielfalt an kulturellen Unterschieden zählt Indonesien zum weltgrößten moslemischen Land der Welt. Dies stellt allerdings keinen Widerspruch dar, da fast alle der ca. 195 Mio. indonesischen Muslime eine synkretische Form des Islam praktizieren. Dies ermöglicht den jeweiligen Bevölkerungsgruppen ihre spezifischen Bräuche, Überzeugungen und Glaubenssysteme mit der islamischen Religion zu verbinden. Vor allem hinduistische und animistische Elemente werden mit dem Islam vereint. Dies ist auf die Zeit vor der Konvertierung zum Islam zurückzuführen, in welcher das Glaubensystem von lokalen Bräuchen und der indisch-religiösen Philosophie stark beeinflusst war. Merkmale dieses Einflusses bestehen weiterhin in der gegenwärtigen indonesischen Lebensweise. So prägt beispielsweise die indische Vorstellung des Gottkönigs auch heute noch das indonesische Konzept des Führertums. Für den westlichen Besucher wird diese Verbindung von verschiedenen religiösen Elementen vor allem im imposanten javanesischen und balinesischen Schattenspiel und Puppentheater sichtbar, welches man sich während seines Indonesienaufenthaltes nicht entgehen lassen sollte. Die wandelbaren Identitäten des Archipels Aufgrund dieser kulturellen Vielfalt innerhalb des Inselstaates spielt die Frage nach der eigenen Identität eine wichtige Rolle für die indonesische Gesellschaft. Bin ich ein Indonesier, ein Javanese oder etwa ein Sundanese (Bevölkerungsgruppe in Westjava)? Untereinander wird dies nach ethnischer Zugehörigkeit und kultureller Verschiedenheit ermessen. Ein wichtiges und immerzu verwendetes Wort bei der Erklärung von Unterschieden ist der Begriff adat, was im Groben mit „Brauch“ oder „Tradition“ übersetzt werden kann (engl. „custom“). So werden beispielsweise unterschiedliche Praktizierungen des Islams in Indonesien dem adat, d.h. den spezifischen Bräuchen und Traditionen der jeweiligen Bevölkerungsgruppe zugeschrieben. Anders verhält es sich mit dem Begriff kebudayaan, welcher für „Kultur“ steht. Dieser wird verwendet, wenn die Menschen über ihre Gesellschaft im Gesamten, über DIE indonesische Gesellschaft im großen Rahmen sprechen. Die hinduistisch geprägte Musik, die Literatur, der Tanz und das Theater sowie die großartigen Denkmäler in Java und Bali werden beispielsweise als kebudayaan Indonesia und nicht als adat bezeichnet. Die Vielfalt gebündelt – der "Taman Mini" Diese kulturelle Variation Indonesiens bezweckt der Taman Mini, eine Art ethnographischer Themenpark am Stadtrand Jakartas, wiederzugeben. Aus der Vogelperspektive gleicht dieser 100 Hektar große Park dem indonesischen Archipel in Miniatur. Der Park, der übrigens ein weiteres nationales Symbol Indonesiens verkörpern soll, stellt die Kleidung, die Architektur, die Traditionen und die Tänze der verschiedenen indonesischen Provinzen dar. Die Idee für die Konstruktion eines solchen Parks ist auf die Ehefrau des damaligen indonesischen Präsidenten– Hadji Mohamed Soeharto – zurückzuführen. Der Taman Mini wurde mit der Intention errichtet, den nationalen Stolz der Bevölkerung zu kräftigen und die artikulierte nationale Einheit zu fördern. Die Vielfalt verbreitet – der ArchipelDiese kulturelle Fülle spiegelt sich das ganze Jahr über in einem Reichtum an Festen, Veranstaltungen und Zeremonien in Indonesien wieder. Auf Sumba kann man sich in die Zeit der Kriegsführung zurückversetzen lassen, die durch die „mock battels“ zwischen Februar und März jeden Jahres wieder zum Leben erweckt werden. In ganz Bali gehen am „Tag des Schweigens“, dem balinesischen Neujahrsfest, für einen Tag die Lichter aus und jede Geschäftigkeit kommt zum kompletten stillstand. Dies hat den Zweck der Wiederherstellung des Gleichgewichts mit der Natur und der rituellen Säuberung der Insel. In Ostjava findet jährlich das Kasada Fest der Tengger statt. Am 14. Tag des einmonatigen Festivals versammelt sich die Gemeinschaft am Kraterrand des aktiven Vulkans Bromo, um Opfergaben zu bringen. Auf Larantuka (Ostflores) leitet die „heilige Woche“ eine tief greifende Osterprozession ein und im August sollen die spirituellen Kämpfe der Manggarai (Westflores) dem Reis verhelfen, schneller und reichlicher zu wachsen. Und in weiten Teilen Indonesiens wird das Ende der einmonatigen Fastenzeit der Muslime, der Feiertag Id-Ul-Fitr, ausgiebig zelebriert. Tiere werden geschlachtet, Besuche bei Freunden und Verwandten abgestattet und es wird reichlich gespeist, getrunken und gefeiert. Um diese Vielfalt auf sich wirken zu lassen, muss man bei seiner Reise in dem endlos erscheinenden Inselarchipel keine größeren Strecken auf sich nehmen. Mit einem wachen Blick eröffnen sich schon auf kleinstem Raum faszinierende Welten. |
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