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Ein Tag in Wien
von Ines Käflein
"Zum Dessert sollte man allerdings wieder ins 19. Jahrhundert zurückkehren und in einem der Wiener Kaffeehäuser eine heiße Melange mit Schlagobers (Schlagsahne) und ein Stück Sachertorte genießen."

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Ein Tag in Wien

von Ines Käflein


 Nach vorher zu sehenden Staus und einem obligatorischen mit der Kirche ums Dorf fahren, erreichten wir das Link öffnet in neues Fenster Hostel Ruthensteiner im Wiener Westbahnhofsviertel. Von hier aus machten wir uns auf die Suche nach einem soliden Abendbrot, die uns vorbei an Gemüse, Brillen, Haushaltsgeräten und der Kipferl-Auslage des „Mann, der verwöhnt“ in die Innenstadt (ca. 15-20 Gehminuten) führte.

Den Wiener Standard aus der Plastiktüte am Straßen-Begrenzungspfeiler ziehen... Zeitungsstand in Wien. Foto: Ines Käflein
Icon Bild vergrößern  Den Wiener Standard aus der Plastiktüte am Straßen-Begrenzungspfeiler ziehen... Zeitungsstand in Wien. Foto: Ines Käflein

Nach vielen Pros und Contras zu diesem oder jenem Restaurant entschieden wir uns schließlich für den Türken um die Ecke des Hostels, der sich als wahrer Geheimtipp erwies. Bei orientalischen Melodien und einem türkischen Anisschnaps folgten wir hier entspannt dem Wiener Nachtleben auf der Mariahilfer Straße. Hier sollte man sich übrigens unbedingt den Wiener Standard  aus der Plastiktüte am Straßen-Begrenzungspfeiler ziehen, um sich morgens bei der Kaffee-Flat im Foyer auf den lokalen Stand der Dinge zu bringen, denn wer weiß wozu das im Laufe des Tages (oder Abends) noch nützlich wird. Natürlich kann der globale Reisende hierzu auch auf das kostenlose W-Lan des Hostels zurückgreifen. Als Nichtraucher-Hostel ist diese Unterkunft im Bezug auf Preis-Leistungsverhältnis, Sauberkeit sowie dem Service wirklich sehr zu empfehlen.

Vom Kaffee gestärkt machten wir uns Sonntagmorgen sogleich auf, den Spuren der Wiener Secessionsarchitekten nachzufolgen. Diese Link öffnet in neues Fenster Wiener Variante des unter anderem auch als „Link öffnet in neues Fenster Jugendstil“ oder „Art Nouveau“ bekannten Kunststils (von Kunsthandwerk bis zu Architektur) hatte zum Ziel, sich von den gängigen Vorgaben der Bauakademie „abzuspalten“ (Secession = Abspaltung) und etwas gänzlich Neues zu schaffen. Aus dem Wiener Secessionsstil leiten sich ferner die Secessionen der anderen Länder des ehemaligen Königreichs Österreich-Ungarns ab, die wir im weiteren Verlauf unserer Reise noch erkundschaften werden. Die ersten Spuren führten uns direkt in die Zeit vor der Jahrhundertwende, genauer gesagt in das Jahr 1899, und damit zu Otto Wagners (1841-1918) Majolikahaus in der Linken Wienzeile 40.

OTTO WAGNERs (1841-1918) Majolikahaus in der Linken Wienzeile 40. - Am Naschmarkt gelegen. Foto: Ines Käflein
Icon Bild vergrößern  OTTO WAGNERs (1841-1918) Majolikahaus in der Linken Wienzeile 40. - Am Naschmarkt gelegen. Foto: Ines Käflein

Das direkt gegenüber dem Naschmarkt gelegene Gebäude zieht den Vorbeigehenden sofort in seinen Bann. Die vollständig mit Kacheln verkleidete Fassade präsentiert sich als prächtiges Blumenmeer, das die plastische Struktur, die ein Gebäude des 19. Jahrhunderts normalerweise auszeichnete, nur noch durch Linien und Farben ersetzt. Damit steht der Bau stellvertretend für den Wiener Secessionsstil. Statt gewölbter Barockformen oder klassischer Renaissanceelemente bemächtigte sich dieser einer geradezu graphischen Ausdruckskraft auf der Schauseite des Hauses. Die Andersartigkeit der sich 1892 von der Akademie abgespalteten Künstlervereinigung wird an dem Schlüsselwerk der Secessionisten noch deutlicher: dem Link öffnet in neues Fenster Secessionsgebäude (1898) von JOSEPH MARIA OLBRICH (1867-1908). Olbrich spielte später für die Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe bei Frankfurt eine bedeutende Rolle.

Secessionsgebäude (1898) von JOSEPH MARIA OLBRICH (1867-1908). Foto: Ines Käflein
Icon Bild vergrößern  Secessionsgebäude (1898) von JOSEPH MARIA OLBRICH (1867-1908). Foto: Ines Käflein

Das Secessionsgebäude hat einen blockhaften Aufbau mit einem flachen Satteldach und einer sehr tiefen Gebälkzone, eine Bauweise, die nahezu alle Secessionsgebäude auszeichnet. Es fällt auf, dass hier die Farben Weiß und Gold dominieren, die auch für eine weitere wichtige Person der Wiener Secession bezeichnend sind: GUSTAV KLIMT (1862-1918).

Die flächig ornamentalen Gemälde dieses Künstlers sind nicht erst seit John Malkovichs exzentrischer Darstellung im gleichnamigen Film von 2006 berühmt, sondern stehen stellvertretend für die Wiener Kunst der Jahrhundertwende. Im Untergeschoss des Secessionsgebäudes befindet sich sein sogenanntes Beethovenfries von 1902. Dieser monumentale Wandzyklus stellt eine Hommage an den Komponisten LUDWIG VAN BEETHOVEN dar, dessen IX. Symphonie die Suche der Menschheit nach dem Glück zum Thema hat. Dieses gleichsam dramatische aber sinnliche Werk lohnt es sich anzusehen, wobei man bei der Gelegenheit auch nicht die laufenden Ausstellungen des Museums außer Acht lassen sollte.

Nach so vielen Einflüssen und Anregungen muss sich der Reisende natürlich auch irgendwann etwas erholen, was er oder sie am Besten beim Flanieren im Burggarten  vor dem Link öffnet in neues Fenster Völkerkundemuseum tut. Ein kurzer Schlummer zu Füßen MOZARTs auf einer idyllischen Bank zwischen Rosenbüschen kann Wunder bewirken, vorausgesetzt natürlich, die Sonne scheint.

Ein kurzer Schlummer zu Füßen MOZARTs ... Foto: Ines Käflein
Icon Bild vergrößern  Ein kurzer Schlummer zu Füßen MOZARTs ... Foto: Ines Käflein
Wien brüht seine Melange ja quasi an jeder Straßenecke... natürlich nur mit Sacher Torte ein Original! Foto: Ines Käflein
Icon Bild vergrößern  Wien brüht seine Melange ja quasi an jeder Straßenecke... natürlich nur mit Sacher Torte ein Original! Foto: Ines Käflein

Alternativ kann man sich jedoch auch in Richtung Kunsthalle begeben, wohinter sich in der Siebensterngasse der Link öffnet in neues Fenster 7 Stern Bräu befindet. Hier kann man sich eine deftige österreichische Mittagsmahlzeit im Biergarten und eines der frisch gebrauten Hausbiere zu Gemüte führen, die von Pils über Hanf- bis hin zu Chilibier fast alles vertreten.

Zum Dessert sollte man allerdings wieder ins 19. Jahrhundert zurückkehren und in einem der Wiener Kaffeehäuser eine heiße Melange mit Schlagobers (Schlagsahne) und ein Stück Sachertorte genießen. Sollte allerdings das berühmte, im toskanischen Neorenaissancestil errichtete Link öffnet in neues Fenster Café Central (1876), in dem sich schon PETER ALTENBERG und ARTHUR SCHNITZLER den Zucker reichten, wider erwartend wegen Renovierungsarbeiten geschlossen sein…

Das Café Central 2010. Auch als Baustelle ein beinahe verwunschener Ort. Foto: Ines Käflein
Icon Bild vergrößern  Das Café Central 2010. Auch als Baustelle ein beinahe verwunschener Ort. Foto: Ines Käflein
Herr und Frau Leopold auf sonntäglicher Spazierfahrt... als >Live Art<. Foto: Ines Käflein
Icon Bild vergrößern  Herr und Frau Leopold auf sonntäglicher Spazierfahrt... als >Live Art<. Foto: Ines Käflein

…muss man nicht verzweifeln, denn Wien brüht seine Melange ja quasi an jeder Straßenecke und beliefert selbst den lokalen KFC mit Sachers Torte.

Danach rundet man am besten beim Flanieren über den Theresien- und Heldenplatz oder auch einer Kutschfahrt die Genusserlebnisse des Tages ab, um spätestens auf der Haupteinkaufsstraße am Kohlmarkt wieder im 21. Jahrhundert anzukommen. Nach so einem Tag in Wien kann es jedoch durchaus passieren, dass man irgendwie in einer Zeitschleife hängen bleiben möchte  ̶ da wir uns jedoch von Wien verabschieden mussten, wünschten wir Herrn und Frau Leopold Lebe wohl und machten uns auf den Weg nach Budapest, wo bereits LISZT und LECHNER auf uns warteten.


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© 2011 Reisebasar.de/ Text & Fotos: Ines Käflein

Ines Käflein ist studierte Kunsthistorikerin und lebt und arbeitet zur Zeit in Heidelberg. Sie schreibt Berichte für Reisebasar.de sowie das Link öffnet in neues Fenster Réseau Art Nouveau Network in Brüssel, womit sie zwei Hauptinteressen verbindet: Reisen und die Kunst und Architektur um 1900.


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