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Ein Tag in Wien
von Ines Käflein
"Zum Dessert sollte man allerdings wieder ins 19. Jahrhundert zurückkehren und in einem der Wiener Kaffeehäuser eine heiße Melange mit Schlagobers (Schlagsahne) und ein Stück Sachertorte genießen."

Shanghai - Globalisierung im Reich der Mitte
von Fredy P. Weber
"Zählt man die internationalen Restaurants (vornehmlich im neuen Pudong zu finden) noch hinzu, ist fast die halbe kulinarische weltweite Vielfalt in Shanghai zu finden. Und das ist nicht übertrieben."

Pilgertum und Wallfahrt in Indien
von Stefan Peichl
"Das indische Wort für Wallfahrt ist der aus dem Sanskrit stammende Begriff tirtha yatra. Tirtha bedeutet wörtlich „Furt“, also eine flache Stelle in einem Fluss; yatra ist der Weg."

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Die Krutynia, die Großen Seen und das einfache Leben in Masuren

von Brigitte Jäger-Dabek

    Kaum eine ferne Landschaft vermag es allein durch die Nennung ihres Namens so lebendige Bilder in uns zu wecken wie Masuren. Bilder einer längst vergangenen Zeit, von weiter, unberührter Landschaft, von tiefen, geheimnisvollen Wäldern und kristallnen Seen.
Nostalgische Wehmut kommt hoch, ein wenig Sehnsucht nach dem einfachen Leben in unberührter Traumlandschaft, frische Milch zum Frühstück und Schlafen im Heuschober bei freundlichen Bauern.

Land der tausend Seen
Icon Bild vergrößern  Land der tausend Seen

    Aber dieses Land Masuren ist kein Traum, es existiert, nur heißt es heute Mazury und liegt in Polen. Immer noch gibt es dort neben quirligem Sommerbetrieb eine streckenweise fast unberührte, menschenleere Landschaft die einlädt, die Seele baumeln zu lassen.

    Die masurische Abgeschiedenheit beginnt in Krutyn / Krutinnen, einem kleinen Dorf südlich von Mragowo am Krutinna – Fluß.

    Der Ost ist von Wäldern umgeben, die wahre Naturparadiese sind. Das Zentrum des Masurischen Landschaftsparks in der Ortsmitte erklärt die Natur. Vor allem aber ein Bad im nahen Mokre – See wird einem jeder Ortsbewohner empfehlen. Und tatsächlich, was für eine Wohltat! Kühles, kristallklares Wasser, umschmeichelt weich den Körper – unvergleichlich.

Dem Alltag davon paddeln...

    Die Krutinna ist das vielleicht ursprünglichste Gewässer ganz Masurens und die beliebteste Paddelroute in ganz Polen. Dem Alltag davon paddeln in einer Landschaft, die süchtig macht - eine Kanutour auf der Krutynia (Krutinne) sollte man nicht beschreiben, man muss sie erleben. Und über allem immer wieder dieser Himmel, hoch weit und tiefblau mit hingehauchten, stetig ziehenden weißen Pustewolken – ach, was für ein Land!

    Überwältigende Stille, Fischotter, Reihe, Kormorane, Seeadler und Störche kommen fast auf Tuchfühlung in diesem Fluss, dessen Wasser so klar ist, dass man die Kiesel auf dem Grund zählen kann, Fische beobachten kann und manchmal sogar Krebse sieht.

    Hinter jeder Flussbiegung wartet eine neue Landschaft, durch weite Wiesenräume schlängelt sich die Krutynia vorbei an verschlafenen Dörfern hinein in verträumte Seen und weiter durch urwaldgleiche grüne Tunnel.

    Die wenn man den Polen glaubt schönste Paddeltour Europas ist insgesamt gut hundert Kilometer lang und führt durch 16 Seen und zahlreiche Flussabschnitte, von denen der Teil auf der Krutynia der schönste ist.

Masuren, Land der Großen Seen und des Wassersports
Icon Bild vergrößern  Masuren, Land der Großen Seen und des Wassersports

    Vom Lampacki – See bei Sorkwity in der Nähe von Mragowo ist startet die Krutyniatour, die durch einige kleine Seen und romantische Flussabschnitte führt . Bei Krutyn geht sie durch den Mokre – See mit seinen vielen kleinen Inseln, verläuft weiter durch den Krutynskie – See und erreicht dort den eigentlichen Krutynialauf. Vorbei am idyllischen Wojnowo und dem Philliponenkloster der russischen Altgläubigen mit seiner schönen Ikonensammlung paddelt man dann in den Gardynskie – See und endlich durch einen der schönsten masurischen Seen, den Beldany bis Ruciane – Nida. Zehn Tage dauert die gesamte Tour, man kann natürlich auch nur einzelne Abschnitte absolvieren. Ein Kajak kann man gleich in der Pension mieten und wird dann am verabredeten Punkt mit dem Auto wieder abgeholt.

    Wem das dann doch zu viel Urwüchsigkeit ist oder wer lieber im Hotelbett schläft und die Dusche dem Sprung in den See vorzeiht, kann auch im Hotel oder in der Pension wohnen. Es gibt genügend Anbieter, die den morgendlichen Transport zum nächsten Teilstück und die Abholung mitsamt Boot vom Etappenziel anbieten.

Die Krutynia/Krutinne mäandert durch verwunschene Landschaften
Icon Bild vergrößern  Die Krutynia/Krutinne mäandert durch verwunschene Landschaften

    Egal ob mit Kajak oder Kanu, mit gemietetem oder eigenem Boot, diese Tour ist für Anfänger geeignet und auch von älteren Naturliebhabern gut zu bewältigen. Rührige Veranstalter nehmen einem dabei die Organisation ab, vom Transport der Boote über die sichere Unterstellung des Autos bis hin zur Stellung von Zelten oder der Anmietung von Campinghäuschen wird individueller Service geboten, auf Wunsch kann man auch mit Guide paddeln.

    Vor allem wenn man in Krutyn wohnt, bietet sich ein Extra an, dort kann man sich auf dem Fluss staken lassen, was an sich schon ein Genuss ist, vor allem morgens, wenn die Touristenbusse noch nicht da sind. Zum Hochgenuss wird es als Fahrt in die Dunkelheit hinein, „Krutinnaleuchten“ wird die Lampionbootsfahrt genannt, die Abendruhe über dem Fluss ist überwältigend.

    Nicht nur paddelnd kann man sich auf die so wohltuende Langsamkeit und Stille dieses Landes einlassen, Radtouren in die Umgebung bieten sich an, in die Puszcza Piska / Johannisburger Heide in den Mazurski Park Krajobrazowy / Masurischen Landschaftspark oder nach Iznota und weiter nach Galindia ins Mazurski Eden einem märchenhaften Hotel - oder sollte man es lieber Freilichtmuseum oder Freiluftgalerie nennen – indem das Besitzer- und Künstlerehepaar Kubacki die Zeiten der Galinder, der pruzzischen Ureinwohner der Region wieder lebendig werden lassen.

    Und natürlich, nach Pierslawek / Kleinort fahre ich und besuche das Forthaus in dem Ernst Wiechert 1897 geboren wurde. Er war der Schriftsteller dieser Region Masurens, mit seinen Jeromin – Kindern, Wäldern und Menschen setzte er seiner Heimat ein Denkmal, das „Einfache Leben“ in seinem Sinne, zumindest der kleine Ausstieg auf Zeit im Urlaub ist es, den viele Menschen auch heute hier suchen.

Mikolajki
Icon Bild vergrößern  Sommertrubel in Mikolajki/Nikolaiken

Mikolajki - das „Masurische Venedig“

    Mit einem Tagesausflug von Krutyn gut zu erreichen sind die touristischen Hauptorte an den Großen Seen. Nur 30km nördlich liegt Mikolajki / Nikolaiken, das „Masurische Venedig“, malerisch wie mit leichter Hand an die Seeenge zwischen dem Sniardwy / Spirdingsee und dem Talty –See / Talter Gewässer geworfen. Seine Brücken, zahlreiche Anleger und Stege und das viele Wasser gaben diesem schönsten Ort Masurens dieses Prädikat. Hier tobt im Sommer das Leben. Zu den 4500 Einwohnern kommt dann noch einmal mindestens die gleiche Zahl an Touristen dazu. Die Sanierung des Zentrums ist weit fortgeschritten, viele kleine Läden, Bistros, Restaurants und Stände buhlen um das Geld der Touristen, die den Lebenstakt des Badeortes bestimmen. Mikolajki ist – wieder – hübsch geworden und bringt ein wenig Italien - Feeling über.

    Gyzicko / Lötzen, noch ein Stück weiter nördlich ist mit seinen 32 000 Einwohnern schon mehr Stadt als Badeort, aber was für eine Lage! Nichts als Wasser rundum, Gyzicko liegt auf einer Landenge zwischen dem Niegocin – See und dem Kissain – See. Diese größte Stadt an den Großen Masurischen Seen bietet Wassersportmöglichkeiten ohne Ende, in sauberem Wasser, denn es gibt weit und breit keine Industrie, die das Wasser verschmutzen könnte. Kulturhistorisch hat Gyzicko nicht viel zu bieten, die Schinkelkirche im Zentrum, einen Flügel der Ordensburg aus dem 14. Jahrhundert und die Feste Boyen auf der Enge zwischen den Seen sind eigentlich alles. Trotzdem, in Gyzicko ist den ganzen Sommer über immer irgend etwas los, ein Festival jagt das andere, eine Veranstaltung die folgende, für jeden ist etwas dabei.

    Beide Orte eignen sich für Reisende, die sommerlichen Badebetriebmehr als die Abgeschiedenheit schätzen auch ausgezeichnet als Standquartier. Sowohl per Schiff als auch auf dem Landweg sind alle interessanten Ziele Masurens leicht zu erreichen. Das herrliche an Masuren ist, dass man trotzdem auf beschauliche Landpartien zu Fuß oder per Fahrrad nicht verzichten muss, denn kaum zehn Kilometer hinter den Touristenhochburgen ist man allein mit der Natur und genießt die Weite eines Landes das nicht nur Zeit, sondern auch Platz hat.

© 2007 Reisebasar.de/ Text & Fotos: Brigitte Jäger-Dabek

Brigitte Jäger-Dabek ist seit 1997 hauptberuflich als freie Journalistin und Buchautorin mit den Schwerpunkten Polen und Norddeutschland tätig. Sie kennt Polen seit vielen Jahren, spricht Polnisch, war mit einem Polen verheiratet und hat bereits mehrere Bücher zum Thema veröffentlicht.





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