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Bei den Yuracaré: Piranha und Bananen zum Frühstück

von Susan Griesbach


Gemeinnützige Stiftung organisiert Reisen zu Indianerstämmen im bolivianischen Urwald

Schon die Anreise zum Urwalddorf Sanandita im Departamento Cochabamba (Bolivien) ist ein Abenteuer. Der Tourismusverantwortliche der indigenen Gemeinde der Yuracaré, Juanito Cartagena, holt uns früh am Morgen für die Fahrt ab. Zusammen bringen wir die sieben Stunden Busfahrt mit kokakauenden Bauern über unasphaltierte Holperstraβen bis zum letzten Dorf vor dem Ziel, San Gabriel, hinter uns. Dieses Nest besteht aus nur einer staubigen Straβe, die von Läden, in denen man einfach alles für den täglichen Urwaldbedarf kaufen kann, umsäumt ist. Dort nehmen wir die letzte Chance wahr, Zivilisationsgüter wie abgefülltes Wasser zu kaufen, was uns in Anbetracht des brackigen Flusswassers, das die Einheimischen trinken, dringend empfohlen wurde.

Mit dem klapprigen Taxi, das offensichtlich von Rechts- auf Linkssteuerung umgebaut wurde, ging es bis zum „Hafen“, von dem aus wir mit dem Einbaum abgeholt werden sollten. 14 Personen stapelten sich problemlos in den Kombi hinein, den jeder kleinste freie Raum wird effizient mit weiteren Fahrgästen ausgenutzt. Das Einbaum-Kanu, das uns schließlich abholte, wurde – in unseren Augen – ähnlich überladen, so dass uns bei jeder Bewegung im Boot die Wasserkante bedrohlich näher kam. Zum Glück wussten wir in dem Moment noch nichts von den Piranhas und Krokodilen, die den Fluss mit der indigenen Gemeinde teilen.

Ein schmaler Trampelpfad führt vom Hafen ins lang gestreckte Dorf Sanandita, das sich zwischen einen See und den undurchdringlich wirkenden Regenwald zwängt. 17 Familien zählt die Gemeinde, deren Holzhütten sich in etwa 100 Meter Abstand zueinander am Seeufer aufreihen. Für die Besucher haben die Dorfbewohner eine eigene Hütte gebaut, die wie ihre Hütten aus Holz und Stroh auf Pfählen gebaut ist. Auf die Frage, warum man im „1. Stock“ der hochgebauten Hütten schläft, den man mit einer Baumleiter erreicht, antwortete Juanito gelassen, dass Vogelspinnen sich nur am Boden aufhalten und Wände nicht hochkommen. Na zum Glück!

„Dualer Tourismus“ zur Rettung der indigenen Bevölkerung

Das Projekt, das zum groβen Teil von der indigenen Gemeinde selbst getragen wird, besteht schon seit zwei Jahren. Die Verantwortlichen der Gemeinde Yuracaré haben zusammen mit der DELPIA-Stiftung dieses Programm, das sich „dualer Tourismus“ nennt, ausgearbeitet. Alan Lisperguer, Verantwortlicher und Mitbegründer der Stiftung für die lokale Entwicklung indigener Völker der Amazonas- und Andenregion erklärt: „Die Bezeichnung ‚dualer Tourismus‘ steht für den gegenseitigen Gewinn von Besuchern und Gastgebern. Es soll eine Atmosphäre des Austauschs und interkulturellen Verständnisses geschaffen werden, so dass man das Gefühl hat, Freunde zu besuchen und nicht eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen.“ Nach vorheriger Anmeldung und Kontakt über die Stiftung können bis zu drei Touristen gleichzeitig vier bis fünf Tage in der indigenen Gemeinde Sanandita verbringen. Sie haben die Wahl zwischen einem Aufenthalt im Dorf, wo sie am täglichen Leben der Einheimischen teilnehmen oder einer Wanderung durch den Dschungel mit Übernachtung im Zelt.

Doch so paradiesisch das Dorf mit den sattgrünen, üppigen Urwaldausläufern, dem Durcheinander tropischer Vogelstimmen und dem Obst und Gemüse im Übermaß auch scheint, die Probleme sind, wenn man einen tieferen Einblick wagt, nicht zu übersehen. Schon seit vielen Jahren kommen Koka-Bauern aus dem armen Hochland ins Regenwaldgebiet, um dort den Koka-Anbau in großem Maßstab fortzusetzen. Wegen mangelnder offizieller Landtitel hatten die indigenen Gemeinden, die früher ein Nomadenvolk waren, oftmals keine andere Möglichkeit, als immer tiefer in den Urwald auszuweichen. Das Tourismusprojekt bringt daher neben den zusätzlichen Einkünften weitere Vorteile für die Gemeinde. Ausländische Touristen bringen Aufmerksamkeit und verhindern, dass Koka-Bauern unbemerkt weiter vordringen können. Auch ist die Gemeinde weniger davon abhängig, selbst Koka für den Verkauf anzupflanzen. Und mit den Mitteln, die – für die Besucher genau aufgeschlüsselt – in die Gemeindekasse gehen, wurden schon verschiedene andere soziale Projekte, wie die Bienenzucht als Einkommensquelle, finanziert.

Überlebenschance der Touristen im Urwald: ohne Hilfe eher niedrig

Die erste Nacht in der Hütte ist ungewohnt. Die im Vergleich zu einer Matratze harte Flechtmatte, die vollkommene Dunkelheit und vor allem der allgegenwärtige, nachts besonders ausgeprägte Urwaldlärm. Da geben sich Brüllaffen, nachtaktive Vögel und Grillen nächtlich ein Konzert.
Der Tagesablauf der Yuracaré ist recht übersichtlich: wenn es hell wird steht man auf und wenn es dunkel wird geht man schlafen. Eigentlich logisch. Denn auf für uns normale Annehmlichkeiten wie Elektrizität, fließendes Wasser und sanitäre Anlagen muss man im Dschungel verzichten. Morgens um acht kommt unser Führer Renaldo, um uns zum Frühstück abzuholen. Leonora, seine Frau, hat schon am Holzfeuer den Reis mit Bananen und Fisch gekocht, den sich uns jetzt schüchtern lächelnd serviert.

Die erste Aufgabe nach dem Frühstück ist das Fischen für das Mittagessen. Überhaupt beziehen sich alle Aktivitäten auf die Ernährung. Bei näherer Betrachtung ist dies in der westlichen Welt gar nicht so anders, nur dass man im Urwald eine viel direktere Verbindung zwischen Arbeit und Nahrung erkennen kann. Beim Fischen auf dem See mit Angelruten, die aus einem Stock mit Angelsehne und Haken bestehen, zeigt sich, dass meine Überlebenschancen im Urwald ohne die sachkundige Unterstützung von Renaldo und Leonora recht gering wären. Nicht einen Fisch konnte ich erwischen, trotz genauer Beachtung der Anweisungen. Und auch der nächste Urwaldüberlebenstest muss als nicht bestanden gelten. Die zahlreichen und schmackhaften Früchte hängen meist recht weit oben an den Palmen und sind auch durch ein Rütteln am Baum kaum nach unten zu befördern. In wenigen Sekunden hat Renaldo den astlosen Stamm erklommen. Ich versuche es auch – obwohl das bei den relativ klar getrennten Aufgaben in der Gemeinde eindeutig eine Männerarbeit ist und daher etwas Verwunderung hervorruft – komme aber nicht über drei Meter hinaus und bin somit noch viele Meter von den begehrten Früchten entfernt. Aber dank Renaldos Kletterkünsten kommen wir an diesem Tag ins Paradies der Früchte: Bananen, Papayas, Orangen, Limonen, Kakaofrüchte und Grapefruits beweisen, dass wir in den Tropen zu Besuch sind

Abgesehen vom Bäume erklettern, ist das groβe Wissen der indigenen Bevölkerung von ihrem Lebensraum, dem Urwald, immer wieder beeindruckend. Sie wissen, welche Beeren man zum Angeln nimmt, welche man essen kann, welche giftig sind und welche gar ein Heilmittel gegen verschiedene Krankheiten sind. Und wenn gerade keine Sitzgelegenheit verfügbar ist, werden ein paar dünne Bäume mit der Machete gefällt und geschickt in drei Minuten eine Bank gezimmert. Im Urwald ist unser „Stadtwissen“ wirklich gar nichts wert.

Naturverbundenheit und Mystik der Ureinwohner

Die enge Verbindung zur Natur der Yuracaré bemerkt man nicht nur an ihrem Umgang mit der Umgebung – sie nehmen nie mehr als sie brauchen und als wiederhergestellt werden kann – sondern auch an ihren mystischen Geschichten, Legenden und Traditionen. Denn obwohl die Yuracaré Mitte des 18. Jahrhunderts christianisiert wurden, haben sie einen starken Glauben an Geister und Vorfahren beibehalten. So würden Jaguare und Krokodile die Einheimischen nicht angreifen, ebenso wenig wie sie von den Mücken gestochen werden, denn sie haben eine enge Verbindung und müssten nur mit den Tieren reden. Das wirkte in dem Moment, als wir nachts mitten im Dschungel im Zelt übernachteten, beruhigend und glücklicherweise wurde uns erst viel später bewusst, dass die Tiere UNS ja nicht kannten...

Tipps & Hinweise: Hier noch ein paar nützliche und interessante Informationen bei Reisen nach Bolivien & Sanandita

Einreise Schweizer Bürger benötigen für einen Aufenthalt bis 30 Tage einen gültigen Reisepass, der noch mind.  sechs Monate über das Ausreisedatum gültig sein muss. Vor Ort kann die Aufenthaltsbewilligung problemlos gegen Gebühr um jeweils weitere 30 Tage bis 90 Tage verlängert werden.

Gesundheit Gelbfieberimpfung obligatorisch. Für den Aufenthalt in Sanandita ist neben den üblichen Impfungen auch die Typhus-Schluckimpfung empfohlen. Im Nationalpark Isiboro-Sécure gibt es ein tiefes Malariarisiko, die Mitnahme eines Malaria Medikamentes zur Notfalltherapie ist somit ebenfalls angebracht.

Reisen zu den Yuracaré Koordiniert werden die Touren durch die Non-Profit Organisation DELPIA in Cochabamba: Av. Beijing y Tadeo Haenke (Av. Beijing # 1452), Tel: +591-4-4403138; Handy: +591-72290107;  www.fundacion-delpia.org
Der Beginn der Tour ist nach Voranmeldung täglich möglich. Es werden zwei verschiedene Programme angeboten:

Das Reise-Programm „Das indigene Leben“ ermöglicht den Besuchern, am Alltagsleben einer Yuracaré-Familie teilzunehmen. Der Besucher fühlt sich dadurch als Teil der indigenen Gemeinschaft. Die genauen Aktivitäten lassen sich im Voraus nicht genau festlegen, da sie stark vom Interesse der Besucher und dem jeweiligen Tagesgeschehen abhängen.

Das Reise-Programm „Die indigene Welt“ bietet dem Besucher die Möglichkeit, die einzigartige Schönheit und den Artenreichtum in den indigenen Territorien kennenzulernen und zu erleben. Bei einer mehrtägigen Trekking- oder Kanutour durch den Urwald werden die Besucher von indigenen Führern begleitet, die während der Strecke ihr Wissen über das Überleben im Regenwald weitergeben.

Kosten Eine viertägige Tour ab/bis Cochabamba kostet für den Einzelreisenden ca. EUR 135.00, resp. ca. EUR 115.00 pro Person bei zwei Reisenden (Anreise ab Cochabamba mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die indigenen Führer sprechen nur Spanisch und Yuracaré)

Mit der Teilnahme an einem Tourismusprogramm unterstützest du die Erhaltung des Regenwaldes, den Fortbestand der Kultur der Yuracaré und die Stärkung der indigenen Gemeinden.


© 2009 Text: Susan Griesbach, Fotos: DELPIA

Zu DELPIA Die non-profit Organisation unterstützt indigene Gemeinden bei der Entwicklung ihrer institutionellen, kulturellen und wirtschaftlichen Fähigkeiten. Dadurch soll ihnen in den lokalen Regierungen und der Zivilgesellschaft eine Stimme gegeben und die gleichen Möglichkeiten gesichert werden.

DELPIA möchte erreichen, dass die indigenen Völker durch die Fortbildung und Stärkung ihrer Organisation sowie die nachhaltige Nutzung ihrer Ressourcen ihr eigenes Gebiet selbst verwalten, ihre kulturelle Identität stärken und ihre Einkünfte u.a.  durch Reiseangebote aufbessern. Weitere Informationen zu DELPIA erhalten Sie unter Link öffnet in neues Fenster www.fundacion-delpia.org





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